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 Huizinga zu Spiel | | | |
| | „Der Form nach betrachtet, kann man das Spiel ... eine freie Handlung nennen, die als ´nicht so gemeint´ und außerhalb des gewöhnlichen Lebens stehend empfunden wird und trotzdem den Spieler völlig in Beschlag nehmen kann, an die kein materielles Interesse geknüpft ist und mit der kein Nutzen erworben wird, die sich innerhalb einer eigens bestimmten Zeit und eines eigens bestimmten Raums vollzieht, die nach bestimmten Regeln ordnungsgemäß verläuft und Gemeinschaftsverbände ins Leben ruft, die ihrerseits sich gern mit einem Geheimnis umgeben oder durch Verkleidung als anders als die gewöhnliche Welt herausheben.“ Huizinga, Johan: Homo ludens. Vom Ursprung der Kultur im Spiel. Rowohlt: Hamburg 1956, S.20 (erstmals veröffentlicht: 1938). | | (Suter Beat) 30-3-2006 / 10:50 |  |
| |  Spiel als Kampf und Darstellung: Johan Huizinga
"Insbesondere hat Johan Huizinga in seinem berühmten Buch „Homo Ludens. Vom Ursprung der Kultur im Spiel“ (1956; erstmals 1938) die aggressiven Anteile des Spiels thematisiert. Sein Werk wird zumeist als feinsinnige Grundlegung menschlicher Kultur im Spielerischen zitiert; dass es auch die Grausamkeit menschlichen Spiels akzentuiert, ist selten herausgearbeitet worden. Spiel ist älter als Kultur, sagt Huizinga, Spiel ist auf eine fundamentale Weise mit dem Menschsein verbunden, ist eine „primäre Lebenskategorie“ (a.a.O., 11). Berühmt geworden ist Huizingas Spieldefinition: „Der Form nach betrachtet, kann man das Spiel … zusammenfassend eine freie Handlung nennen, die als ‚nicht so gemeint‘ und außerhalb des gewöhnlichen Lebens stehend empfunden wird, … als anders als die gewöhnliche Welt ...“ (a.a.O., 20). Huizinga definiert aber auch: „Das Spiel ist ein Kampf um etwas oder eine Darstellung von etwas. Diese beiden Funktionen können sich auch vereinigen, in der Weise, daß das Spiel einen Kampf um etwas darstellt oder aber ein Wettstreit darum ist, wer etwas am besten wiedergeben kann“ (ebd.). Wichtig in unserem Zusammenhang ist noch seine Aussage: Spiel „schafft Ordnung, ja es ist Ordnung“, und es „hat eine gewisse Neigung, schön zu sein“ (a.a.O., 17). Wir finden hier – im Zusammenhang mit der Kampfstruktur des Spiels – die spielerische Ästhetisierung von Gewalt, die wir schon bei Groos gesehen haben.
Huizingas sprachgeschichtliche Untersuchungen zum Spielbegriff ergeben: Wettkampf, Herausforderung und Gefahr sind dem Spielbegriff nahe. Immer wieder findet sich eine Gleichsetzung von Spiel und Kampf, Spiel und Jagd. Eindrucksvoll ist ein Bibelzitat, bei dem ‚Spielen‘ bedeutungsgleich mit ‚Töten‘ verwendet wird: „Im zweiten Buch Samuelis sagt Abner zu Joab: ‚Laß nun die Jungen sich aufmachen und vor unserm Angesicht spielen.‘ Darauf kommen zwölf von jeder Seite und töten einander alle, und die Stelle, wo sie fielen, erhält einen Namen von heroischem Klang“ (a.a.O., 46f.).
In seinem Hauptpunkt „Spiel und Wetteifer als kulturschaffende Funktion“ stellt Huizinga die These auf, dass Kultur in ihren Anfängen gespielt werde: „Die heilige Schaustellung und der festliche Wettkampf sind die beiden überall wiederkehrenden Formen, in denen Kultur als und in Spiel aufwächst“ (a.a.O., 53). Der Wettkampf, der Agon, ist in Huizingas Konzeption dem Spiel genuin: „Wettkampf ist Spiel“ (ebd.). Huizinga spricht geradezu von einem „agonalen Instinkt“ (a.a.O., 55): „Die angeborene Sucht, der erste sein zu wollen“ (a.a.O., 102). Wenn sich dieser agonale Instinkt auch im Spiel manifestiert, so verhindert das ernste Konsequenzen nicht: „In Olympia kannte man Zweikämpfe bis auf den Tod“ (a.a.O., 54). Freilich kann das Spiel in glücklichen Fällen auch eine ernste Realität verhindern helfen. Huizinga führt eine altgermanische Erzählung an: Es brechen Schmähreden zwischen den Parteien auf, doch hatte das „beleidigende Wortgefecht“ Spielcharakter und die Parteien „bringen das Gastmahl fröhlich zu Ende“ (a.a.O., 73).
Huizinga hat im Verlaufe seiner weiteren Ausführungen keine Probleme, weitere Verbindungen zwischen Spiel und Krieg herzustellen: „Der geordnete Kampf ist ein Spiel“ (a.a.O., 90), stellt er im Sinne der bereits beschriebenen Ästhetisierung von Gewalt fest. Und: „Jeder an beschränkende Regeln gebundene Kampf trägt schon durch diese geregelte Ordnung die wesentlichen Merkmale des Spieles an sich, und zwar erweist er sich als eine besonders intensive, energische und zugleich auch als eine recht handgreifliche Form des Spiels“ (a.a.O., 90). So „braucht die Grenze dessen, was im Spiel erlaubt ist, nicht beim Blutvergießen, ja nicht einmal beim Totschlag gezogen zu sein!“ (ebd.). Allerdings setzen Kämpfen und Krieg die Anerkennung beschränkender Regeln voraus, wenn sie als Kulturfunktion im Sinne Huizingas gelten sollen. So wurden die alten Kriege ganz und gar in Wettstreitform geführt: Zunächst wurden sie feierlich angesagt, dann wurde ein schönes Schlachtfeld ausgesucht, wobei strategische Vorteile keine Rolle spielten. Ferner gab es einen Anspruch auf einen festen Ehrenplatz in der Schlachtordnung und das Recht auf den Vorkampf. Erst der totale Krieg hat nach Huizinga auf das Spielerische und damit auf „Kultur, Recht und Menschlichkeit“ verzichtet (a.a.O., 91). – Dass der Wettkampf, das Kriegerische, das Aggressive dem Spiel genuin sind, ist nach der Lektüre des „Homo Ludens“ klar. Wenn auf Huizinga vielleicht der Vorwurf einer Idealisierung des Krieges zutrifft, der einer Idealisierung des Spiels trifft ihn keinesfalls."
Abschnitte aus: Gisela Wegener-Spöhring: Spiel und Aggressivität. Ein Wechselverhältnis in den Theorien des Spiels. In: Medienpädagogik online. http://www.medienpaedagogik-online.de/cs/00802/ (02.01.2005). | | (Suter Beat) 30-3-2006 / 10:50 |  |
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| Wenn alle Projekte ein Erfolg sind, sind wir nicht mit genug Risiko bei der Auswahl rangegangen", meinte der Chef des IBM-Forschungslabors in Böblingen mehr > | | | |
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