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 Jeder soll mitmachen können: Tim Berners-Lee - Utopie WWW (Oberfläche zum Netz) - Tim Berners Lee - ReadOnly Netz - Subkultur - mit eigenen Codes - Überstülpung Realitätsgesetze
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| "I had hoped for it (the internet) to be collaborative space, really a playspace. You can make a photograph album but you can't really do it as if you are sitting beside someone on the other side of the world. You can write a document, and there has been progress doing remote meetings, but I feel we have only scratched the surface of its capacity for enabling collaboration." (Tim Berners-Lee in an interview; The Guardian Live, 25.09.2003, S. 23)
[QUOTE AS: TEXT TO SPEECH!]
Das ursprüngliche World Wide Web bestand aus einer einzigen Seite, die beinahe leer war. Tim Berners-Lee hatte sie so aufgesetzt, damit er und Robert Cailliau darauf Notizen machen und Ideen austauschen konnten. Die treibende Kraft bei der Erfindung des World Wide Web 1989 war die Freigabe von Wissen, welche die Kommunikation drastisch verbessern sollte sowie die Zusammenarbeit von Menschen am Arbeitsplatz und zu Hause. Ziel war es, dass einzelne Gruppe von Menschen das Web als persönliches Informationssystem und Werkzeug für Gruppenarbeit einsetzen würden. Und Gruppen aller Größen sollten leicht miteinander kommunizieren können. Die leere Seite von Cailliau und Berners-Lee füllte sich schnell. Bald beteiligten sich auch andere Mitglieder der Forschungsgruppen am CERN in Genf und aus der leeren Seite wurde allmählich ein Wissenskatalog. Einige Wochen später entwickelte Ari Luotonen auf Bitte von Berners-Lee ein Diskussionstool für das Web und gab ihm den Namen Discussion. Die Leute des CERN konnten damit schnell und hürdenlos Fragen stellen, lesen, Antworten oder Kommentare geben und neue Themen initiieren. Immer aber mussten die Teilnehmer eine Interaktion (Zustimmung, Ablehnung, Bitte um mehr Informationen) vornehmen, die dann den Status der Diskussion beeinflusste und für jeden anderen sichtbar machte. Davon ausgehend wünschte sich Berners-Lee zum Beispiel Kommentarserver, auf denen Gruppen von Menschen Verknüpfungen anlegen und gegenseitig Kommentare zu bestimmten Dokumenten oder Themen im Netz austauschen könnten. Mehr als ein Jahrzehnt später wird das World Wide Web in den Medien oft als wundervoller interaktiver Ort beschrieben, das uns eine unbegrenzte Fülle von Informationen liefert, in der wir auf eigene Faust stöbern können. Kein Programmdirektor zwinge uns seine Sendungen auf, kein DJ seinen Musikgeschmack. Doch das ist nicht die Interaktivität, an der Berners-Lee gearbeitet hatte. Der Erfinder und Architekt des World Wide Web verhehlt denn heute auch nicht, dass seine ursprüngliche Vision des Internets nach wie vor nicht erfüllt ist. Berners-Lee wollte mit seinem Web einen neuen Informationsraum schaffen, in dem jeweils zwei oder mehrere Menschen nebeneinander oder sich, nicht weiter als eine Tischbreite entfernt, gegenüber sitzen und miteinander arbeiten, sprechen, diskutieren, Ideen austauschen, spielen sowie etwas produzieren können. Das World Wide Web hätte einen Ort konstituieren sollen, an welchem Menschen, die sich nicht im gleichen Raum, am gleichen realen Ort befinden, auf einfache Weise zusammenarbeiten können, indem sie in einem gut organisierten virtuellen Raum kommunizieren und interagieren können. "I wanted it to make somewhere (Hervorhebung vom Autor) where you can together build a hypertext view of what you are going to do so groups of people can easily do things together." Doch statt dessen haben wir zur Mehrheit ein Internet, indem ‚Interaktivität’ bedeutet, passiv vor einem Bildschirm zu sitzen und zu konsumieren, mit der Nuance, dass man wenigstens auswählen kann, was man konsumiert. Neben dem Lesen ist das Schreiben der Informationen beinahe vergessen gegangen. Und so ist Berner-Lees interkreativer Möglichkeitsraum bis anhin unerreichbare Möglichkeit geblieben. Der engagierte Software-Entwickler hat sich in den Jahren nach der Lancierung des World Wide Web in der W3C Organisation immer wieder dafür eingesetzt, jene Technologien zu forcieren, welche auch dem normalen User asynchrone und synchrone Kollaborationen sowie die Verknüpfung unterschiedlicher Medien erlauben würden. Zwar gibt es interaktive Dienste wie den Chat, doch auch beim Chatten via Internet müssen durch Zugangskontrollen, Gruppen-Management u.a. zu viele inhärente Hindernisse überwunden werden, die das System Nutzern und Administratoren auferlegt, damit auch wirklich Informationen mit anderen Menschen geteilt werden können und alle Beteiligten sicher gehen können, dass die Informationen auch aufgenommen werden. Ausserdem ist der Chat eine schnelle, flüchtige Kommunikationsform, die sich für viele Informationsaufbereitungen sehr schlecht eignet. Zur Darstellung einer organischen Verwaltung einer Schule oder eines Gerichts beispielsweise bräuchte es ganz andere, komplexere Instrumente. Der tragische Umstand an dieser Sache ist, dass solche Technologien nicht einfach nur Zukunftsmusik sind, sondern dass sie im Prinzip mit Peer-to-Peer Lösungen und Distributed Systems bereits seit längerem vorhanden sind oder zumindest schnell und leicht weiter entwickelt und eingeführt wären, wenn denn die wichtigen Beteiligten – insbesondere die marktbeherrschenden Firmen in den Bereichen Software, Hardware, Medien, Unterhaltungsindustrie – daran interessiert wären. Auch Berners-Lee musste in seiner durchaus einflussreichen Position als Direktor des W3C feststellen, dass die Umsetzung des interaktiven Teils des Vorhabens World Wide Web mit Browsern für Zweiweg-Kommunikation sich nicht etwa in technischer Hinsicht als besonders schwierig erweist, sondern in erster Linie in Bezug auf die ökonomische Kontrolle und den von der Buchkultur auf Printprodukt und Autor zentrierten urheberrechtlich restriktiven Umgang mit Texten, Bildern, Musik und Filmen.
Text aus dem Essay "Möglichkeitsraum Internet. Vom verwahrten Content zur interkreativen Allmende" von Beat Suter | | (Suter Beat) 24-2-2010 / 0:21 |  |
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User: Anonymer Gast

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